Gravity (2013), Alfonso Cuarón

Gravity Press Picture

Ich war sicher nicht die einzige, die beim ersten Trailer von Gravity gleich die einzigartigen Bilder von Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“ im Kopf hatte. Der Trailer sah so verdammt gut aus. Und vor allem so realistisch, dass ich mehr sehen wollte. Konnte es sein, dass ein neuer Film sich traut, sich auf diesen Vergleich einzulassen? Und dem vielleicht auch noch standhält?

„2001“ zieht seine Kraft aus zwei Richtungen – den für die damalige Zeit revolutionären und heute noch überaus kraftvollen Bildern und der nicht so einfach zu fassenden und philosophischen Handlung. Die Story von Gravity ist linearer und eingängiger. Und teilweise schon ein bisschen plump mit den elementaren Fragen des Lebens aufgeladen. Sowohl Gravity und als auch 2001 spielen mit den Motiven Existenz, Evolution, Wiedergeburt, allerdings in ganz unterschiedlichen Richtungen. Während es bei 2001 um das Große und Ganze geht, dreht sich in Gravity alles um eine Figur und ihre ganz persönliche Geschichte. Dr. Ryan Stone (Sandra Bullock) ist das erste Mal im All – der Job macht ihr zu schaffen und ist auch ansonsten nicht so glamourös, wie das vielleicht noch vor ein paar Jahren dargestellt worden wäre. Wie passend, dass es dann gerade „Schrott“ ist, der die Astronauten in Lebensgefahr bringt. Schon nach kurzer Zeit ist dann klar, und das kann man auch schon ohne Spoiler erzählen, dass die Raumstation zerstört wird und die Astronauten nun einen Weg finden müssen, wieder nach Hause zu kommen.

Das Motiv ist klar und spiegelt sich zusätzlich auch in Hintergrundgeschichte von Stone. Nach ihrer persönlichen Tragödie befindet sie sich „im freien Fall“ (im All und emotional) und muss nun einen Halt finden, der sie zurück auf festen Grund bringt. (Puh, da hat sich das Filmstudium ja doch für irgendwas gelohnt!) Auch diesen sinnbildlichen Halt muss sie erst finden. Und genau hier liegt auch ein Problem von Gravity. An einigen Stellen ist er doch ein bisschen platt geworden, um diese Metapher auch noch dem letzten Popcorn-Esser und Handy-Tipper im Kino klar zu machen. Wenn Ryan in der Raumstation ankommt und diese wunderbare Hommage an Aliens Ripley sendet, die beiden Frauen verloren im All, dann lässt Cuaron sie zusätzlich noch die Fötusstellung einnehmen, damit auch wirklich niemand mehr verpasst, worum es geht. Wenn sie ihre Entscheidung trifft und sich motiviert, hätte sie das auch subtiler und ich sag mal „alleine“ schaffen können. Auch hier wieder die Bitte: Orientiere dich nicht am dümmsten oder abgelenktesten Zuschauer.

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Für alle zusammen reicht nämlich bei Gravity schon dieses: Optik und Akustik sind einzigartig! Ich war selten so angetan von den GERÄUSCHEN in einem Film. Wie die Kamera durch das All schwebt und wir den Unterschied zwischen den Geräuschen innerhalb und außerhalb des Raumanzugs wahrnehmen, wie das Atmen von Ryan hypnotisch in den Vordergrund tritt, bis es eigentlich unser eigener Atem ist. Denn hinzu kommt: Der Film ist in 3D und das ist bisher wahrscheinlich das einzige Mal, dass ich das auch genau so haben will. Ich kann mit 3D nichts anfangen. Egal ob Hugo, Der große Gatsby, Life of Pi oder Harry Potter – ich bin mir sicher, dass jeder dieser Filme in gewöhnlichem 2D besser gewesen wäre. Aber hier kann es tatsächlich andersrum sein, denn der Effekt gilt nicht primär den auf uns zufliegenden Teilen, sondern der Orientierung im Raum. Hoffentlich bereitet der Film zu Hause auf dem Fernseher das gleiche Gefühl von Tiefe.

Der Film bleibt im nachhinein unter so vielen Aspekten interessant. Es ist eine „Frauengeschichte“, eine evolutionäre Geschichte und eine wissenschaftliche Geschichte. Eine wunderbare Besprechung gibt es auf Indiewire von Jed Mayer. Er nennt es einen „intellectual and emotional impact“.

Wie ich jedem rate, sich Kubricks „Odyssee im Weltraum“ möglichst einmal im Kino angesehen zu haben, stell ich mir auch vor, dass Gravity das gleiche Schicksal trifft. Wahrscheinlich kann der Film zu Hause auf DVD nicht mit allem Glänzen. Auf der großen Leinwand in 3D ist dann eben doch etwas anderes. Ob Gravity sich auf den Vergleich mit 2001 einlassen kann? Auf jeden Fall. Ob er dem Vergleich standhält? Das muss er gar nicht. Denn eigentlich geht es hier um ganz unterschiedliche Ansätze. Ich bin jedenfalls gespannt, ob ich mich in 10 Jahren genauso freue, den Film noch einmal im Kino zu gucken, wie ich es bei Kubrick tue.

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