Casper, 03.04.2014, Lanxess Arena

Casper 2014 Köln

Schon vor Start des Konzerts war die Spannung hoch. Dank dem kleinen Vermerk „Casper + Special Guest“ auf der Karte und seinem Tweet wurde heftig spekuliert, wer denn nun für Casper die Show eröffnen darf. Cro? Die Orsons? Kraftklub? Da Casper sich nicht ausschließlich in der HipHop-Ecke aufhält und auch schon die großartigen Portugal, The Man als Support mitgenommen hat… wer? wer?! wer?!!

Überpünklich, noch vor dem offiziellen Konzertbeginn, traten dann KIZ auf die Bühne. Die Menge war nur so halb begeistert. KIZ polarisieren, auch hier.
Der Sound in der Lanxess Arena, das kann man eigentlich immer wieder sagen, ist grausig. Der Bass dröhnt so laut, dass man so gut wie nichts anderes hört. Mit Ohrenstöpsel ist es etwas erträglicher. Aber die solltet ihr ja eh immer dabei haben – hört doch auf die Mutti!
Ach ja – die gute Nachricht: Wir sind nicht die ältesten auf dem Konzert. Auch wenn jeder, der morgen früh nicht zur Schule muss, den Altersdurchschnitt in die Höhe treibt.

Anti alles für immer

Als Casper die Bühne betritt, ist die Halle nicht voll ausverkauft, aber gut gefüllt. Mit den ersten Songs macht er gleich klar, in welchem Tempo er sich den Abend vorstellt: Im Ascheregen und Alles endet. Die Leute tanzen und springen so wild, dass ich mir fast Sorgen um die Tribüne mache. Ich habe den Boden hier schon lange nicht mehr so heftig beben gespürt.

Casper 2014 Köln

Immer wieder macht er Pause zwischen den Stücken, um ein bisschen zu erzählen und von seinem eigenen Getanze und Gehüpfe durchzuatmen. Vom Gloria im letzten Jahr schwärmt er noch ein bisschen – der Sprung von 800 Menschen zu jetzt fast 20.000 ist ja auch enorm. Egal ob man nun das erste Mal hier sei oder ihn auf seinem Weg begleitet habe, alle sind willkommen, sagt er.
Was auffällt – die Menge ist äußerst textlicher und singt wirklich alles mit. Bei so vielen Menschen ist das schon beeindruckend. Überhaupt ist Casper oft überwältigt von der Anzahl der Leute, die ihm da zuhören. Und als er Lux Lisbon beendet (auf der Platte mit Editors Sänger Tom Smith), eines der persönlichsten und emotionalsten Stücke des aktuellen Albums, hat er Pipi in den Augen.
Emotional sind die Stücke eigentlich alle. Casper weiß schon sehr genau, welche Knöpfe er bei seinem Publikum drücken muss. Seine Texte beschreiben oft einfach und sehr verdichtet Gefühle, auf die andere Künstler im Radio eher selten eingehen. Klar geht es da auch um Beziehungen und Trennung, aber eben auch um Depression, Selbstmotivation, eingeschlafene Freundschaften, oder dann das großartige Gefühl, alte Freunde wiederzutreffen und zu merken, dass sich überhaupt nichts verändert hat und alles gut läuft. (Warum gibt es dafür eigentlich kein Wort?)

Schon schräg, grad ist alles ganz schön ok. Hab viel zu erzählen.
Was geht? Schön dich zu sehen. Ich hab so viel erlebt!

Auch sonst gibt es bei Casper einige Attribute, die ihn von den anderen aktuellen deutschen HipHop-Acts unterscheiden. Er steht auf Rockmusik und lässt das auch deutlich in seine Musik einfließen. Seine Texte sind nicht lustig, und schon gar nicht mit peinlicher Gangster-Attitude. In seiner ultra-engen Hose mit den dünnen Beinchen, den Tattoos und dem Indie-Band-Shirt fehlt es auch ein bisschen an der typischen Rapper-Optik. Seine normale Sprechstimme hört sich zudem nach meiner Stimme nach einer wirklich langen Nacht an… was ihn auf Anhieb noch sympathischer macht.

Am Ende, nach fast zwei Stunden mit einer langen Zugabe, lässt er uns zu Jambalaya noch einmal ausflippen und bedankt sich danach ordentlich für den tollen Abend. Während wir die Halle verlassen, stimmen einige vereinzelt noch mal den „oh-e-oh“- Chor von Hinterland an. Das ist schön. So sollten Abende enden.

Casper 2014 Köln


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