Savages, 20.11.2013, Gebäude 9

Savages live in Cologne

Als ich um ca. halb 9 Uhr im Gebäude 9 ankomme, stehen fast alle Besucher an der Bar, im Vorraum oder der eisigen Kälte. Meine Trödeligkeit und die Bahnverspätung kommen mir also ausnahmsweise mal zugute, denn die Vorband ist schlecht. Macht Krach. Aber nicht die gute Sorte.
Beim Umbau füllt sich die Halle dann schnell. Krach gibt es weiterhin: Im Hintergrund umhüllt uns bassiges Gewummer, um die Zeit zu überbrücken. Zusätzlich gibt es Nebel, toll, der Traum jedes Konzertfotografen (nicht). Das Publikum ist überraschend alt, scheinbar alles Metaller, ausnahmsweise treibe ich den Altersdurchschnitt wohl mal nach unten. Der Männeranteil überrascht mich übrigens auch, das sind bestimmt 80%.

Savages live in Cologne

Savages, das sind zurzeit die Überfliegerinnen aus London. Vier Frauen, die den (Post-)Punk aus den frühen 80ern zurückholen und doch neu erfinden. Man hört viel Siouxsie Sioux-Einflüsse, aber z.B. auch Patty Smith. Dabei präsentieren sich Savages ganz androgyn in schwarz, kein Schnickschnack, nur die vier Talente auf der Bühne.

Savages live in Cologne

In der folgenden Stunde zeigen die Damen dem Publikum, wie Krach sich wirklich anhören sollte. Sängerin Jehnny ist die Präsenzfigur auf der Bühne, ausdrucksstark, mit provozierendem Blick. Außerdem ist sie die Königin des Mum-Dance, aber das nur nebenbei.
Savages live in CologneWas die anderen Bandmitglieder links und rechts von ihr leisten, sollte allerdings genauso beachtet werden. Gemma spielt keine Melodien auf der Gitarre, sondern kreiert Soundgebilde, die sich unter die Beatinstrumente legen und sie von hier nach dort tragen. Der Bass von Ayse ist ein Traum. Sie ersetzt alles, was da an „Melodien“ fehlen könnte und treibt sich selbst immer weiter an. Schlagzeugerin Fay hat spätestens beim letzten Stück „Fuckers“ ihren großen Auftritt. Den Song dehnen Savages auf ca. 15 Minuten, und von mir aus hätte der auch noch mal so lange dauern können. Neben „Hit me“ und „Husband“ war der Song das beeindruckendste Stück des Abends. „Don’t let the fuckers get you down!“ singt Jehnny da immer wieder und die anderen spielen und spielen, immer wieder scheinbar aneinander vorbei und dann kommen sie doch wieder zusammen, und wollen gar nicht mehr aufhören.
Das Publikum war genauso wie ich begeistert. Savages sollte man definitiv live sehen.

Savages live in Cologne

Ein weiteres großes Plus waren übrigens die Aushänge am Eingang, an die sich sogar fast alle gehalten haben:

„A NOTE FROM SAVAGES
OUR GOAL IS TO DISCOVER BETTER WAYS
OF LIVIG AND EXPERIENCING MUSIC.
WE BELIEVE THAT THE USE OF PHONES TO
FILM AND TAKE PICTURES DURING
A GIG PREVENTS ALL OF US FROM
TOTALLY IMMERSING OURSELVES.
LET’S MAKE THIS EVENIG SPECIAL
SILENCE YOUR PHONES“

Savages live in Cologne

Savages live in Cologne

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