Kate Nash, 29.09.2013, Gebäude 9

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Die Konzertsaison geht los! Endlich wieder kleine Hallen, verschwitzte Menschen, dröhnende Ohren. Ich starte diesen Herbst/Winter mit Kate Nash.

Mitte 2010 habe ich schon mal Kate Nash live gesehen. Damals hatte sie gerade ihr zweites Album „My Best Friend is You“ veröffentlicht, die Fans hatten den Übergang von der niedlicher Manic-Pixie-Popsängerin zu einem kratzigen, lauten Kraftbündel allerdings noch nicht gepackt. Das Konzert damals war nicht gut: Die Fans standen da und warteten auf die alten Hits, Kate hatte sich aber schon weiterentwickelt.

Dementsprechend gemischt waren meine Erwartungen für diesen Abend. Das neue Album „Girl Talk“ mag ich sehr – ob das Publikum das genauso sieht?

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Mit der Vorband „The Tuts“ bekamen wir einen kurzen Vorgeschmack auf die Attitude, die Kate Nash auf die Bühne bringen sollte. The Tuts erinnern mich sehr an Elastica und die guten Girl-Punk-Bands aus den 90ern, klingen aber sehr jung und frisch. Die muss ich im Auge behalten.

TheTutsCologne

Leider haben die drei uns gleich von der tollen Party am Tag zuvor erzählt, von der sie noch ganz fertig sind und deshalb heute nur Wasser trinken. Tja, gestern…
Als Kate Nash dann auf die Bühne kommt, sieht sie auch ein bisschen so aus: Bühne und Outfit erinnern an einen durchgerockten und aus den Fugen geratenen Abschlussball. Und Kate ist mit Tiara und zerfetztem Kleid die einzige, die noch steht. Sie trägt den Look aber mit so einem wunderbaren „Fuck You“, dass alles passt.

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Gleich am Anfang wird klar: Kate Nash rockt. Und am wohlsten fühlt sie sich mit Instrument in der Hand. Die schreit, sie krächzt, sie stöhnt. Das alles hat so viel Energie, dass sie das Publikum gleich mitreist. Selbst ihre alten Stücke, auf die alle zum Glück gar nicht mal so sehr warten, gibt sie ihre eigenen Ecken und Kanten. „Mouthwash“ spielt sie schnell und laut, setzt ein langes Gitarrensolo in „Foundations“.
Sie spielt die Stücke, die ich sehr mag – viel wichtiger, die sie anscheinend auch sehr mag. Zwischendurch erzählt sie so viel, dass sie am Ende zugibt, dass sie gar nicht mehr weiß, was sie sagen wollte. Sie bedankt sich bei den Fans, die besonders jetzt beim dritten Album zu ihr gestanden haben, das sie ohne große Plattenfirma produziert hat. Sie predigt „Girl-Power“: zu wenig Frauen im Musikbusiness, und „mache immer das, was du wirklich machen willst“.

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Am Ende holt sie für ihr Finale „Underestimate the Girl“ die komplette erste Reihe und die Vorband auf die Bühne. Und trotzdem gibt es noch eine Zugabe. Erst spielt sie nur mit der Gitarre begleitet das wunderbare „We get on“ vom ersten Album, bei dem man hören kann, was für eine großartige Songwriterin sie ist. Dann steht sie noch einmal ganz allein auf der Bühne. Erst traut sie sich gar nicht, weil das Publikum so leise und gespannt dasteht. „Ich fühle mich sicherer, wenn ich erst mal die Leute anschreien muss, damit sie die Schnauze halten“, sagt sie. Dann singt sie doch, mit Hall auf der Stimme und sonst ohne Begleitung „Lullaby for an Insomniac“, und hier und da sieht man jemand mit Pipi in den Augen.

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Kate Nash 2013 – ein gutes Konzert. Das ist kein Vergleich zu den lahmen Fans von 2010. Kate Nash fühlt sich wohl, da wo sie jetzt ist. Sie ist vor allem laut und unabhängig. Und ich war sicher nicht sie einzige, die Lust hatte, alle Alben gleich noch einmal zu hören.

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