Nadine Shah: Love your dum and mad

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Wenn Nick Cave und PJ Harvey ein Baby hätten… Das ist wohl der Vergleich, mit dem Nadine Shah zurzeit am meisten zu kämpfen hat. Aber wer sollte sich darüber schon ärgern? Dann hört man ein bisschen genauer hin und entdeckt noch viel mehr Nuancen – ein bisschen Florence Welch, ein bisschen Ellie Goulding vielleicht. Sie selbst spricht von Marianne Faithful und Nina Simone als Inspirationsquellen.

„Love your dum and mad“ ist das erste Album von Nadine Shah – und was für ein Album das ist. Ein erstes Hören hat mich schon lange nicht mehr so mitgenommen. „Aching Bones“ beginnt mit einer kratzigen Gitarre, einem Bass, … hach, das müsst ihr euch anhören. 56 Sekunden dauert es, bis Shahs Stimme einsetzt und man weiß, dass man hier etwas Gutes vor sich hat. Ihre Musik ist dunkel, aber nicht depressiv; ruhig, aber nie langweilig.

Dabei passt die Stimmung und Intensität des Albums kaum zum Zeitpunkt, an dem es veröffentlicht wird. (Ende Juli!) Wollen da nicht alle eher leichte Sommerliedchen? Was Tanzbares?
Nadine Shah kommt aus Nordengland, ihre Mutter ist aus Norwegen, ihr Vater Pakistani. So eine Prise innerer Konflikt scheint ihr also in die Wiege gelegt zu sein.
Produzent und Co-Writer des Albums ist Ben Hiller, der unter anderem Blurs „Think Tank“ gemacht und mit The Horrors und Depeche Mode gearbeitet hat. Es heißt, er hat nur einen Song gehört, bevor er zugesagt hat, Shah zu produzieren.

Die erste Hälfte des Albums ist sehr pianolastig, danach dominieren die Industrial-Einflüsse von Hiller. Es gibt kein durchgängiges Thema; es geht um Einsamkeit, Verlust, Rache und mehrere Songs handeln von Geisteskrankheiten („Used it all“, „Remember“, „Dreary town“, „Floating“). Das Großartige: nie verliert sich Shah in Selbstmitleid oder bedauert ihre Figuren. Trotz Melancholie geht es um Stärke. Die Figuren wachsen an den Situationen.
Runaway handelt von einer Frau, die gerade verlassen worden ist. Shah singt: „I still have that red silk dress“ und „I have the right to half of this house, I’m fine“. Das ist emanzipierte Melancholie.

Ihre gewaltige Stimme klingt trotz allem leicht und geheimnisvoll. „Can you hold my cigarette whilst I sing the blues?“ fragt sie in „All I Want“.

Die Inspiration für all das nimmt Shah aus Filmdialogen, sagt sie, hauptsächlich aus düsteren. Dabei ist sie gar keine besonders traurige Frau, keine Sorge. Insgesamt ist „Love your Dum and Mad“ ein starkes und inspirierendes Debutalbum. Wenn Nick Cave und PJ Harvey ein Baby hätten, würde es sicher Nadine Shah hören.

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