Kanye West – Yeezus

Albumcover Yeezus

Zu Kanye Wests neuem Album „Yeezus“ hört man im Netz genau zwei Meinungen: Die einen finden es schrecklich, die anderen wunderbar innovativ. Das war zu erwarten. Was Kanye abliefert, ist nichts für den allgemeinen Chartshörer.

Dass er die Hiphop-Welt mit Experimenten überraschen und bereichern kann, hat er hinlänglich bewiesen. Bekannt ist Kanye West zudem besonders für kritische Position in seinen Songs. Heute inszeniert er sich allerdings lieber als Märtyrer, der von allen unverstanden vor sich hin grummelt. Weswegen genau lässt er dabei mehr und mehr offen. Gerne prangert er Rassismus an, schwelgt dabei aber im gepflegten Sexismus.

Der Pathos um die Figur Kanye West funktioniert besser in den USA, dort kennt man ihn als Party-Promi, der mit kleinen Skandälchen und mit seiner Beziehung zu Reality-Show-Sternchen Kim Kardashian von sich reden macht. Hier wirkt das alles eher peinlich. Ob sein Höhenflug nun inszeniert ist oder nicht – er erwartet von seinen Fans viel. Schließlich hat er selbst schon zeitig angekündigt, dass er mit dem neuen Album den Hiphop revolutionieren und in eine ganz andere Richtung bewegen wird. Mindestens. Jaja.

Schon vor dem Release am 18. Juni weigerte West sich, den üblichen Promo-Weg zu gehen. Statt Single-Auskopplung und Pressankündigungen gab es erst mal ein ungewöhnliches Event: In 66 Städten weltweit ließ er das Video zu „New Slave“ auf Häuserwände projizieren. Das war das erste, das man vom neuen Album und Sound zu sehen bekommen sollte.
Etwas mehr zeigte West dann mit einem Auftritt bei Saturday Night Live. Dort spielte er „New Slave“ und „Black Skinhead“, das nun auch die erste Single werden wird. Der Auftritt zeigte, wohin der Weg gehen soll: In nietenbesetzter Lederjacke, mit verzerrter Stimme und flackernden Rückprojektionen auf denen groß „Not for Sale“ prangerte, kündigte er den Einzug einer schnodderigen Punk- und Industrial-Attitude in den Hiphop an.

Was Kanye West nun mit „Yeezus“ zeigt, ist zwar noch Rap, aber der verschwindet mehr und mehr hinter harten Elektro-Beats, rauen Riffs und vielen Samples. Als Einstieg hören wir noch ein bisschen Daft Punk, ein Nachklang vom letzten Album. „Black Skinhead“ ist danach minimalistisch und industrial, unerwartet mit harten Beats und fast ohne Melodie. Das kann was und wird zurecht als erste Single veröffentlicht.
In „New Slave“ geht es weiter – gegen Rassismus mit Texten wie „Fuck you and your Hampton house, I’ll fuck your Hampton spouse, came on her Hampton blouse and in her Hampton mouth.“ Puh. Den Kampf gegen Unterdrückung kann ich ihm so leider nicht so abnehmen.

Wie in fast allen Stücken dreht sich der Sound dann immer plötzlich. Da ist dann wieder ein bisschen Soul und Hiphop, wie man ihn von Kanye West mal kannte. Die plötzlichen Stilbrüche ziehen sich konstant durch das gesamte Album. Man kommt beim Hören nicht zur Ruhe. Aber das ist auch das Ziel.
Bis zum Ende findet sich nichts, was man im traditionellen Sinne als Hiphop beschreiben würde. Erst das letzte Stück „Bound 2“ erinnert wieder an alte Kanye-Songs und Samples. Da ist Soul und ein bisschen Pathos, aber irgendwas stimmt auch nicht. Da springt er zwischen Songstücken und findet zurück. Es wirkt ein bisschen, als führt Kanye uns vor Augen, was wir früher von ihm gehört haben, und auch, warum er diese Musik jetzt nicht mehr macht.

Der richtige Hit für die Radiostationen fehlt auf „Yeezus“. Ob sich die guten Verkaufszahlen halten, wird sich zeigen. Das Album ist schwierig, man muss es sich erarbeiten. Wer auf guten Krach und ungewöhnliche Soundgerüste steht, wird es mögen.

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