Kings of Leon, 20.06.2013, Lanxess Arena

KOL03

Das Wetter in Köln hat sich der Heimat von Kings of Leon anscheinend angepasst – es ist so schwül wie in Nashville. Mindestens.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich Kings of Leon live noch nie gesehen habe. Nicht zu ihrer Anfangszeit als sie noch langhaarig, bärtig und weniger Charts tauglich waren, noch auf irgendeinem Festival als Headliner. Um so mehr freue ich mich auf den Abend in der Kölnarena.

Doch ach, hier kommt die Ironie des Tages. Zur selben Zeit da diese große Band mit großen Hits in der großen Arena auftritt, spielt auf der anderen Rheinseite im Gloria We were promised Jetpacks, eine kleinere, relativ unbekannte Band, von denen ich weiß, dass sie live unglaublich sind. Ich entscheide mich für Kings of Leon. Mit ein bisschen schwerem Herzen muss ich zugeben, denn ich bin kein großer Freund von Arena-Konzerten.
(Denn: dort ist es oft unpersönlich, der Sound ist mau und da ich die 1,60m gerade so geschafft habe, kann ich in der Menge nichts richtig: sehen, atmen, egal. Also sitze ich heute glücklich zwischen den Alten, Kranken, Familien, sehr jungen Teenagern und Leuten, die sich nicht in die Menge trauen. RocknRoll!)

Ein paar Monate vor der Veröffentlichung ihres neuen Albums „Mechanical Bull“ hoffe ich natürlich auf ein paar Kostproben. Und insgeheim hoffe ich auch auf ein paar der alten Songs – Marry’s Chamber, Charmer etc.
Um 20 Uhr geht’s los. Ausverkauft ist die Arena nicht ganz, und zur Vorband ist vielleicht die Hälfte der Zuschauer drinnen. Das Wetter ist auch einfach zu schön. Wenn die alle wüssten, was sie verpassen.
Auch wenn Kings of Leon richtig schlecht gewesen wären (keine Sorge: waren sie nicht), für die Vorband The Weeks hätte sich der Besuch schon gelohnt. Ich verliebe mich nicht nur auf der Stelle in die langen Haare und Stirnbänder – The Weeks klingen wie Kings of Leon vor 15 Jahren.
Die Abmischung in der Arena ist zwar wie immer seltsam – man hört den Ton erst von der Bühne und einen Moment später von der anderen Seite zurückhallen -, aber ich beschließe schon nach dem 2. Song, gleich das Album am Merch zu kaufen. (Naja, daraus wurde nichts. Ihr neues Album „Dear Bo Jackson“, das übrigens auf dem Kings of Leon eigenen Label Serpents & Snakes erscheint, soll im Juli kommen.)

Dann füllt sich die Arena plötzlich ganz schnell. Es wird dunkel, auf der Bühne sehen wir rotes Licht und viel Metall. Die 4 kommen zügig raus. Bis dahin alles unspektakulär. Dann packt Matthew seine Gitarre aus und beginnt das Konzert, indem er das Intro von Closer mit dem Mund spielt. Da will jemand beweisen, dass er’s drauf hat.
Das Besondere ist außerdem: Die Monitore an den Seiten zeigen nicht einfach nur das Geschehen auf der Bühne, sondern lassen es gleich wie ein Musikvideo wirken. Nahaufnahmen in dreckigem schwarz/weiß, zerkratzte Effekte, Überblendungen mit dem Publikum.

Die Songs sind durchgängig gut, spätestens bei „Back down south“ haben sich Kings of Leon richtig eingespielt. Es gibt eine gute Mischung aus allen Alben. Das Publikum wartet auf jeden Song vom Erfolgsalbum „Only by night“. Kings of Leon spielen auf dieser Tour gegen ihren eigenen Erfolg an. Die Kurve ist nach dem Überflieger-Album etwas abgeflacht. Das hört sich schlimmer an als es ist, aber an dem Versuch ein Album wie „Only by night“ zu wiederholen, ist schon so manche Band gescheitert.

Insgesamt interagieren die Jungs wenig mit dem Publikum, „Hallo / wie geht’s? / Wir sind Kings of Leon. / Danke“, sondern legen den Fokus ganz auf die Musik. Nicht nur Calebs Stimme macht Kings of Leon zu einer der größten und beeindruckendsten Rockbands unserer Zeit. Obwohl er sich entschuldigt, weil er heute ein bisschen angeschlagen ist, ist er live perfekt, klingt fast besser als auf Platte. Der Sound könnte trotzdem besser sein – ach Arena…
Damit die restlichen Bandmitglieder nicht Gefahr laufen, hinter dieser Stimme zu verschwinden, gibt es Songs in der Playliste, die die Stärken von allem hervorheben. Bei „Holy Roller Novocaine“ z.B. kracht das Schlagzeug und schlägt der Bass herrlich.

Im Laufe des Konzerts wird deutlich, dass besonders die harten und schnellen Songs der Band heute besonders Spaß machen. Ist das ein Vorgeschmack auf das neue Album?

Kings of Leon, Köln, 2013

Gegen Ende bringen sie das Publikum mit „Knocked Up“ und dann endlich „Sex on Fire“ noch einmal richtig in Bewegung. Spätestens an dieser Stelle muss ich dann auch zugeben, was den Charme einer großen Arena ausmacht. Die Power, wenn ca. 15.000 Menschen zusammen mit Kings of Leon den Refrain zu „Sex on Fire“ gröhlen ist beeindruckend. Das kann man im kleinen Club nicht. Besonders sympathisch ist, dass unter der Routine und Professionalität der Band immer wieder scheinbar schüchterne Blicke von früher durchscheinen. Man kann sich fast vorstellen, wie bewegend es sein muss, solch einen Hit zu haben, den alle glücklich mitsingen.

Eine Zugabe gibt es. Die Menschen sind inzwischen so euphorisch und laut, dass die Band die restlichen drei Songs kaum noch mitzusingen braucht. „Radioaktive“, „Use somebody“, „Black thumbnail“, sie beenden das Set also auch mit einem härteren Stück…

Draußen schüttet es inzwischen. Das ist kein Regen, es SCHÜTTET, blitzt und donnert. So bleiben viele noch ein bisschen länger, schlendern durch die Gänge der Arena, unterhalten sich, trinken noch ein Bier. Das passt alles.

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