Microsoft Surface Pro – Unter der Oberfläche

Letzten Freitag wurde ich von Gizmodo und Microsoft zu einer kleinen Veranstaltung eingeladen. Ein paar Tage vor dem eigentlichen Veröffentlichungstermin durften sich eine Handvoll Blogger und IT-Nerds im Kölner Rheinauhafen das neue Surface Pro ansehen.

Microsoft Köln

Das Surface RT kennt man ja nun schon. Als Konkurrenz zum iPad und welchem Android-Tablet auch immer wollte man sich positionieren, und das Konzept war auch gar nicht mal so schlecht. Nun kommt Ende diesen Monats also das Surface Pro. Noch besser soll es sein. Man möchte es auch nicht mit einem Tablet, sondern lieber mit einem Ultrabook verglichen haben.
Das Konzept mit allen Funktionen hat mich überzeugt: Das Surface Pro soll kein Spaß-Tablet sein, damit soll gearbeitet werden. Da ich im Büro Windows nutze und sowohl dort als auch hier privat sehr viel mit Texten zu tun habe, ist besonders die volle OfficeSuite ein Argument für mich. Das ist nämlich genau das, was ich auf dem iPad so dringend vermisse. Man kann einfach nicht anständig Word-Dateien bearbeiten. Ich muss die nicht nur ansehen oder schreiben können – ich muss unterstreichen, ändern und kommentieren können. Lange Texte und viele davon. Das Surface verspricht das mit dem dazugehörigen Stift zu meistern. Das Tablet erkennt, wenn die Stiftspitze in der Nähe ist und schaltet um. Man kann sogar die Hand während des Schreibens auflegen und nichts passiert. Toll, endlich das papierlose Büro. Soweit jedenfalls die Theorie.

Microsoft Rheinauhafen

Apropos Büro – ich baue hier mal einen kleinen Schlenker ein. Spannung und so.
Wenn ich schon mal so schöne Einblicke in die Kölner Microsoft-Büros bekomme, sollte ich die auch teilen. Die Lage im Rheinauhafen ist wirklich schön. In der Mittagspause am Rhein spazieren können, bekommt schon einige Pluspunkte. Auf zwei Etagen zeigt man hier, was man kann: Oben die Dachterrasse, die größer ist als meine Wohnung. Grillpartys müssen hier großartig sein, wenn denn das Wetter mitspielt. Die Etage mit den riesen Displays, der Bar und dem unglaublich tollen Touchscreen-„Tisch“ (den ich will, will, will) sah aber eher nach Gästebespaßung aus. Die eigentlichen Büros in der Etage darunter sind schick und voller toller Konferenzraum-Gadgets. Da fahren Monitore aus den Tischen, Videokonferenzen zu mehreren Leuten in einem Büro werden mit Monitoren an den Wänden und automatischer Erkennung, wer denn nun gerade spricht, gelöst. So schön. In einem Flur lädt natürlich die XBox zur verlängerten Pause ein.

Richtig gearbeitet wird dann aber auch wieder in einem Großraumbüro. Jajaja, das haben sie ja alle so. Ob Facebook oder Google, dort sieht man immer die durchgestylten Büros und dann die kleinen Eckchen im Großraumbüro. Gruselig. Seitdem ich ein Zwei-Frau-Büro habe, will ich das für nichts mehr her geben. Bei Microsoft legt man außerdem Wert darauf, dass es überhaupt keine persönlichen Schreibtische gibt. Morgens kommen die Mitarbeiter mit ihrem Laptop rein und setzen sich irgendwo hin, wo Platz ist. Abends wird alles wieder leer geräumt. Naja. Davon bin ich mit meinem Schreibtisch auch weit entfernt…

Microsoft Videowand

Aber zurück zum Surface. Bisher habe ich ja schön gelobt, jetzt muss ich aber auch mal die Realität zuschlagen lassen: Die oben angesprochenen schönen Dinge sind wirklich in ihrem Konzept ganz wunderbar – wenn sie denn auch schon so funktionieren würden. Klar, an vieles muss ich mich einfach erst gewöhnen, an Winows 8 zum Beispiel, oder die eigentlich sehr schöne und praktische Tastatur. Die hat aber leider auch nicht immer das gemacht, was ich wollte. Großbuchstaben schreiben oder so, pah!
Apps konnte ich mir schön schnell laden. Ich habe es gleich mal mit Evernote versucht. Zack, drauf. Anmelden konnte ich mich dann aber nicht, um mir die App auch mal von innen anzusehen. Warum, weiß ich nicht. Ach ja, Apps überhaupt. Soooo viele sind das ja noch nicht. Und was seltsames dazu kommt: Apps, die auf dem Surface RT laufen, laufen nicht unbedingt auch auf dem Surface Pro. „Die sind ja ganz unterschiedlich“, sagen sie. Äääähm ja. Da werden die Entwickler sich aber freuen.
Und die großartige Word-Stift-allessuper-Funktion von oben – wir erinnern uns – funktioniert. So ungefähr. Mit meinem Handballen, der ja nun nicht stören sollte, habe ich dann doch mal das ein oder andere Menü ausgeklappt. Sonst gings aber gut und ich will das sofort haben.

Ein bisschen ungläubig guckten wir dann aber soch, als wir erfahren haben, dass es im Pro kein 3G oder was auch immer gibt. Nur WLAN. „Ist ja auch kein Tablet, sondern ein Ultrabook“, hat man uns erzählt. Und: „WLAN gibt es überall, 3G braucht keiner.“ Ich frage mich ganz ehrlich, wann der Herr Microsoft das letzte mal das Gebäude verlassen hat. In Deutschland kämpft man so oft damit ein offenes WLAN zu finden, das ist peinlich. Und auch als „Arbeitsultrabook“ nutzt das Surface herzlich wenig, wenn es im Büro kein WLAN gibt. Nicht jedes kleine Unternehmen ist wie Microsoft ausgestattet…

so geht das: Nachtisch und Bier

Fazit: Das Microsoft Surface Pro will einiges können, kann einiges. Die Konzepte hören sich so gut an. Trotzdem schreit das Gerät noch laut Kompromiss. Kein 3G, zu teuer, und noch ein bisschen holprig. Die nächste Generation wird sicherlich viel interessanter. Und wenn ich auf dem iPad bis dahin nicht endlich mal anständig Texte bearbeiten kann, könnte ich mir sogar einen Wechsel vorstellen.

Ach ja, und noch was. Diese Werbespots. Jetzt mal ehrlich, Microsoft, die gehen gar nicht. Das ist gruselig und völlig am Konzept vorbei.

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