Darwin Deez, 20.02.2013, Gloria

DarwinDeez
Im Publikum von Darwin Deez trifft man genau die Leute, die man dort auch erwartet hat: Den Raum teilen sich süße Mädchen und sensible Jungs, Arm in Arm oder in kleinen Gruppen tanzend, mit den durchschnittlichen Großstadt-Hipstern. Wobei, ach, dieses Wort.Das sollte man bei einer Darwin Deez Review tunlichst vermeiden.
Der dürre Junge aus New York mit seinen Korkenzieherlocken und den seltsamen 80er- und 90er-Jahre-Klamotten wurde lange als der Prototyp des durchschnittlichen Hipsters gehandelt. Man vergisst dabei schnell, dass der Mann hier ist, um sein neues Album vorzustellen.


„Songs for imaginative people“ ist weniger Pop-Fantasie, sondern ein bisschen rauer und vielfältiger. Gerade für Konzerte ist da aber auch weniger Hitpotenzial – im Moment jedenfalls. Wie nicht anders zu erwarten, kommen die Songs vom alten Album natürlich besser an. Im Gegensatz zur Review von Intro waren das aber einige Stücke und bei weitem nicht nur „Radar Detector“. „Constellations“, „DNA“ und „Up in the Clouds“ wurden zum Beispiel genauso mitgesungen und wild betanzt. Wer weiß, wo der Intro-Herr gestanden hat, vorne bei mir war die Stimmung großartig.


Was Missgünstige neben den ganzen Tanzeinlagen und lustigen Outfits dann doch nicht vermuten: Der Mann kann richtig Gitarre spielen. Das beweist er mit mehrminütigen Gitarrensoli und ironisch-referenziellem Spielen hinter dem Kopf. Dass das alles nicht nur Spaß und Spontaneität ist, bemerkt man nur, wenn man dann wirklich genau hinsieht. Als Gitarrist Andrew Hoepfner sich in einem Stück kurz verspielt, wirft Darwin ihm einen kurzen, aber überaus kritischen Blick zu. Der Mann, der sonst im Studio alles alleine macht, muss sich hier auf der Bühne eben auch auf seine Bandmitglieder verlassen.
Hinter all der Professionalität erkennt man aber deutlich den Spaß, die die Band auf der Bühnen hat. Publikum und Band freuen sich über die synchronen Tanzeinlagen zu 90er-Boyband-R&B, Elektro-TV-Themes und irgendwas Metall-artigem. Andrew tanzt wie Klaus Kinski auf Ecstasy. Das Publikum singt und tanzt jeden Hit wild mit. „The Stage, this is our livingroom“ sagt Darwin mittendrin.

Obwohl anders geplant, hat die Band dann die Zugabe doch mit „Bad Day“ beendet. Vielleicht weil das Publikum die alten Songs noch ein bisschen mehr mochte, vielleicht weil Darwin doch etwas gesundheitlich angeschlagen war und „Human“ nicht mehr geschafft hat. Egal, Spaß gemacht hat es trotzdem.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.