Cool Hand Luke / Der Unbeugsame (1967) – Stuart Rosenberg

Aaaaah, Paul Newman, 1967.
So, Filmbeschreibung fertig. Was soll ich denn noch dazu sagen?

Cool Hand Luke, Paul Newman, 1967, Leg Irons
Ich habe letztens das erste Mal Cool Hand Luke gesehen. Herr Newman ist wie immer schön anzusehen – der Film aber so vollgepumpt mit Testosteron, dass es manchmal schwer zu ertragen ist.


Ja gut, da geht es also um Luke, der wegen ein bisschen Trunkenheit am Steuer und Geld aus Parkuhren klauen gleich für ein paar Jahre ins Gefängnis kommt und dort natürlich total männlich kämpfen muss, um in der Hierarchie aufzusteigen. Juuuut. Wir sehen also lange Faustkämpfe, seltsam-sinnlose Wetten, plumpe Beleidigungen und harte körperliche Arbeit. Und dann bekommen wir als Krönung auch noch eine Dame im knappsten Kleidchen, die ihr Auto in schönster Bikini-Film-Art genau vor der Sträflingskolonne wäscht. Ääääähm, ja.

Und trotzdem mag ich den Film. Vielleicht liegt es daran, dass die Story neben dem ganzen Gepose dann doch vielschichtiger ist, als auf den ersten Blick angenommen. Das Auflehnen gegen Autorität erinnert an „Einer flog über das Kuckucksnest“ oder „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ – aber ruhiger und erwachsener. Ob Luke sich wirklich gegen das System wehren will, oder ihn eine tiefe Depression in die Selbstzerstörung treibt, ist dabei gar nicht so klar. Schließlich sehen wir ihn schon am Anfang ohne Perspektive trinken und randalieren und als seine Mutter ihn einmal im Gefängnis besuchen kommt, ist sie zwar freundlich, aber eben auch hoffnungslos erkrankt. Luke ist vollkommen allein, die einzige soziale Gemeinschaft und Unterstützung erhält er von seinen Mitgefangenen im Gefängnis – trotzdem versucht er wieder und wieder zu fliehen.

Cool Hand Luke, 1967Freiheit und Einsamkeit gegen Unterdrückung und Gemeinschaft. Das sind die beiden Seiten, zwischen denen Luke steht. Er ist gleichzeitig Held und Antiheld. Von Wette zu Wette, von Ausbruchsversuch zu Ausbruchsversuch, ändert sich aber die Einstellung gegenüber Luke sowohl bei den Gefangenen als auch beim Zuschauer.

+++Spoiler+++ Als er nach einem Ausbruchsversuch gefoltert wird und danach eigentlich nur allzu verständlich sein Verhalten ändert, sind Zuschauer und Filmfiguren enttäuscht und fühlen sich fast verraten. Steht Luke doch symbolisch für alle Gefangenen und für alles andere, gegen das wir uns selbst nicht wehren können. Erst als er mit diesem Verhalten wieder bricht und ein letztes Mal flieht, können wir ihn endgültig akzeptieren und sind am Ende umso entsetzter, als er schließlich von der Polizei angeschossen in ein Krankenhaus gebracht werden soll, dass so weit weg ist, dass er den Weg nicht überstehen wird. +++Spoiler+++

Ganz im Geiste der 60er hat der Film den Zuschauer am Ende dann doch so weit: Wir gegen die, alles unfair, Power to the people. Und auch wenn es gerade am Anfang ein bisschen anstrengend ist, die ganze stereotype Männlichkeit in all ihrer Pracht für voll zu nehmen – hey, ich habe schließlich auch wegen Paul Newman eingeschaltet…

 

*) Die Bilder in diesem Artikel sind Affiliate-Links von Allposter.com

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