Scissor Sisters, 09.10.2012, Gloria

Selten sind bei einem Konzert die Erwartungen so weit von der Realität entfernt gewesen wie bei diesem.
Bei den Scissor Sisters erwartete ich eine Party, die ihresgleichen sucht: pink, Plüsch, die komplette Gay- und Drag-Szene Kölns gemeinsam im Gloria. Und Glitter auch.
Im großen und ganzen erwartetet ich das.

Ich bekam: Eine sehr gute Show, ein ganz seltsames Publikum.
Zu aller erst war das Gloria nicht mal ausverkauft. Was war denn da los? Als ich ankam, waren da: nette mittelalte Herren, die kleine Bierbäuche vor sich her trugen und sich an die Tische setzten. Und da blieben. Jemand hatte seine Mutter dabei, klar, „Take your Mama out all night“. Und viele Fans aus Frankfurt. Warum die grade alle daher kamen, weiß ich nicht. Aber die waren sehr nett.

Nachdem ich mit meinen Fotos fertig war, konnte ich mich gemütlich ganz vorne an den Rand stellen – wollte ja anscheinend sonst niemand da hin. Direkt vor der Bühne tobten dann doch ein paar glitzernde Jünglinge im Tanktop. Gleich dahinter fand sich aber auch eine Reihe Gestalten, die absolut stillstanden, ihre Kamera im Anschlag hielten, und jedes mal wild synchron anfingen zu zoomen, wenn der Sänger sein T-Shirt hochzog. Das ist kein Witz – das war gruselig. Es fehlten nur Trenchcoats und falsche Schnäuzer.

Die Show dagegen war richtig gut. Die Scissor Sisters haben es von Song zu Song doch noch ein bisschen geschafft, die Stimmung aufzubauen. Gut getanzt, gut gesungen, Spaß gehabt – oder wenigstens professionell den Anschein erweckt.

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